Mittwoch, 4. August 2010

Deutsche Probleme

Es sind zwei weitere Tage in diesem wunderbaren Land vergangen. Leider
haben wir es zeitlich nicht geschafft aus Eilaboun herauszukommen,
doch es sind auch ohne weite Reisen interessante Sachen passiert.
Gestern wurden wir von einer muslimischen High School Lehrerin besucht
(ihr Name war glaube ich Fatha). Sie besuchte uns mit ihren 5 kleinen
Cousinen und Cousins, welche auf den zuletzt geposteten Bildern zu
sehen sind. Für mich war das Gespräch mit ihr eine völlig neue
Erfahrung, da sie sehr offen über sich und ihren Glauben sprach und
die erste Muslime war, mit der ich mich auf Grund ihres sehr guten
Englisch ausgiebig unterhalten konnte. Sie ist die Tochter eines
arabischen Kommunisten und konvertierte eigenständig zum Islam,
weswegen sie wohl auch eher liberal zu manchen Themen steht. Für sie
sind die Selbstmordattentäter keine Helden und die Taliban
Terroristen. Ihr Mut beeindruckte mich am meisten. Sie hat einen
Vergewaltiger hinter Schloss und Riegel gebracht, welcher sich an
seiner ganzen Familie vergriffen hatte und ein früherer Arbeitskollege
in Jerusalem war. Bei der Arbeit trafen wir noch einen weiteren
Muslimen. Mohammed, welcher in Deutschland Zahnmedizin studiert hatte
von uns gehört und wollte uns einladen unter der Woche mal bei ihm
vorbei zu schauen. Mit seiner Hilfe gelang es mir den Kinder zu
erklären, dass Road Colour nicht unbedingt so gut für Hosen und
T-shirts geeignet ist und sie uns nicht helfen brauchen. Unsere Arbeit
bestand daraus, die Straßenrandsteine neu zu bemalen.
Als Belohnung für ihre Hilfe gab es für alle Eis. Es war wirklich toll
zu sehen, wie diese kleinen Kinder so viel Spaß beim Malern hatten.
Am Abend waren wir erneut zu Gast bei Ruan, der Tochter von Achsan.
Wir sprachen über vieles , wobei sie mir ähnlich wie Slamen von ihren
Problemen gegenüber der Identifikation mit dem Staat Israel
berichtete. Es ist für die Jugend hier eine schwere Bürde nicht zu
wissen wo man so recht hingehört. Israel sichert den Arabern zwar
gesetzlich alle rechte zu, doch gesellschaftlich werden sie von der
überwiegend jüdischen Bevölkerung kaum angenommen. Das große Teile der
arabischen Bevölkerung ihren eigenen Staat haben wollen, ist bei
dieser Situation verständlich, denn man kann in vielen Fällen von
rassistischer Diskriminierung sprechen. Doch wieso erwähne ich das?
Das dies hier Fakt ist, weiß wohl jeder. Vielleicht ist der Grund, das
es besonders einem Deutschen schwerfällt von Rassismus in Israel zu
sprechen. Gefördert wird zudem das gegenseitige Unverständnis, wohl
vorallem auf Grund der getrennten Siedlungsbereiche. In Haifa leben
zwar ebenso viele Araber wie Juden, doch lebt man lieber nebeneinander
her als miteinander. So ist es in der Stadt und so ist es auch auf dem
Land. In der Nähe von Eilaboun gibt es neben mehrerm anderen
arabischen Dörfern eben auch rein jüdische Siedlungen.
Aber natürlich redeten wir nicht nur über Probleme, sondern auch über
alltägliches in unseren Ländern. Alles in allem ein
abwechslungsreicher Tag.
--
Gesendet von meinem Mobilgerät

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